Endlich wird die Arbeit knapp

Alle sagen: „Die Arbeit hoch!“ Wir sagen: „Nieder mit der Lohnarbeit!“ In einem spielerischen Reigen aus Musik- und Textpassagen nähern wir uns dem dolce far niente mit Marx. Vor 150 Jahren erschien „Das Kapital“, eine umfassende Kritik an Arbeits- und Lohnverhältnissen. Darin findet man so schöne Sätze wie: „Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört. Die Verkürzung des Arbeitstags ist die Grundbedingung.“1 Doch merken wir heute, trotz immer ausgefuchsterer Technik und arbeitenden Robotern, etwas davon? Arbeiten wir weniger?

Dabei kracht es im Gebälk der Arbeitsgesellschaft – und oft auch im einzelnen Menschen selbst. Immer mehr Menschen wollen aus ihren Arbeitsverhältnissen aussteigen, gleichzeitig herrscht um die wenigen spannenden Jobs ein unwürdiges Gerangel. Zwischen halsbrecherischer Konkurrenz und dem Versprechen von Selbstverwirklichung und Anerkennung durch Arbeit klafft eine gefährliche Lücke – mind the gap!

Die Gruppe 150 years after bringt für die WIENWOCHE dieses ambivalente Szenario als Musikrevuetheater auf die Bühne. Denn es ist schön und wichtig, sich eine Zeit nach unserer jetzigen Arbeitsgesellschaft vorzustellen. Erst jagt also das Gespenst des Kommunismus für eine gute Stunde unten durch die Fluc_Wanne, um dann oben im Café mit Denice Bourbon, Sissyboi und Drehli Robnik die DJ-Line passend zum Thema zu eröffnen. Wir nehmen die Proletenpassion der Schmetterlinge wörtlich und sind leidenschaftlich klassenlos!

150 years after ist eine hochgradig arbeitsteilige Gruppe von Künstler_innen und Autor_innen, die sich zum Ziel gesetzt hat, nicht eher zu ruhen, bis auch „Klasse“ wieder ein Kampfbegriff ist.

Konzept: Heide Hammer, Kurto Wendt
Text und Regie: Sheri Avraham (Shara Av)

Basierend auf Texten von: Bini Adamczak, Heide Hammer, Käthe Knittler, Karl Reitter, Martin Birkner, Karina Korecky, Kurto Wendt

Musik: Denice Bourbon, Michel Mayr (Mayr), Esra Özmen (Esrap), Canned Fit

Sound: Christine Schörkhuber
Kamera und Visuals: Nathan Spasić
Bühnenbild: Zuza Ernst (Zuzu Za)
Graphics: Sonja Garziz, Matthäus Zinner, Bernd Haberl

On Stage: Canned Fit, Ruth Biller, André Reitter, Karl Reitter, Hyo Lee, Nathan Spasić, Käthe Knittler, Martin Birkner, Esra Özmen, Denice Bourbon, Mayr, Heide Hammer, Kurto Wendt.

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